Politische Soziologie sozialer Ungleichheit
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Die Arbeitsbeziehung im Privathaushalt als Externalisierungsfrage. Drei empirisch-theoretische Schlaglichter

Forschungkolloquium mit Kimey Pflücke (Cottbus)

09.12.2020 um 18:00 Uhr

Pflücke

Wenn Hausarbeit bezahlt wird.
Die Arbeitsbeziehung im Privathaushalt als Externalisierungsfrage: drei empirisch-theoretische Schlaglichter.

Die Arbeit im privaten Haushalt war und ist bis heute ein Punkt, an dem sich gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse wie durch ein Brennglas bündeln. In Spanien kann der Wandel der Arbeitsbeziehung zwischen Angestellten und arbeitgebendem Haushaltsvorstand verfolgt werden vom Herr-Knecht/Magd-Verhältnis im bürgerlichen Haushalt des 19. Jahrhunderts über die rechts-katholisch organisierte Arbeit junger Landfrauen in bürgerlichen Privathaushalten im frankistischen "Pseudo-Fordismus" bis hin zur oft informellen, stark migrantisch geprägten Dienstleistungstätigkeit im Zweiverdienerhaushalt des (de-)regulierten Wohlfahrtsstaats heute. In allen Zeiten überlagern sich hier Klasse, Migration und Geschlechterverhältnis solchermaßen, dass Hausarbeit mit gutem Grund als Fundament kapitalistischer Ausbeutungsverhältnisse bezeichnet wurde (Federici 2012: 6f.).

Mittels des Externalisierungsparadigmas werfe ich drei Schlaglichter auf diese Arbeitsbeziehung heute: Erstens untersuche ich die Externalisierung von Care-Arbeit vom rudimentären, stark selektiven Wohlfahrtsstaat auf die Privathaushalte. Wie hängt die Fürsorgeleistung eines Staates zusammen mit der Regulierung des Arbeitsmarktes, und wie führt dies zur Auslagerung von Haus- und Sorgearbeit? Zweitens untersuche ich die Externalisierung von Haushaltsarbeit von den einzelnen Haushalten auf den Markt. Wie kommt es dazu, dass Familien und andere Haushalte sich für die Anstellung einer Hausangestellten entscheiden? Schließlich betrachte ich drittens die Externalisierung von Haushaltsarbeit von Stadt auf Land (früher) und Globalem Norden auf Süden (heute). Wie kommt es dazu, dass Care-Arbeit entlang von sogenannten Sorgeketten bis nach Lateinamerika u.a. außereuropäischen Regionen verlagert wird?

Anhand dieser theoretisch geleiteten Schlaglichter in die Empirie kann man nicht nur die Externalisierungsthese exemplifizieren, sondern gewinnt einen tieferen Einblick in das Zusammenspiel von Kapitalismus und Patriarchat, Arbeitsteilung und Kolonialismus, Geschichte und Gegenwart.

Mittwoch, 09.12.2020, 18:00-20:00 Uhr, online unter:


https://lmu-munich.zoom.us/j/91728404224?pwd=S2FSZHluQ1RBc2QrdER0bklVUk91QT09