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Arbeitssoziologie

Soziologie der Arbeit

Betreuer: Norbert Huchler

THEMENFELDER

  1. Das Vertiefungsgebiet Soziologie der Arbeit beschäftigt sich mit den spezifischen Ausprägungen, Entwicklungen, Organisationsweisen und Zusammenhängen von Arbeit in der Gesellschaft. Arbeit wird dabei stets als eine historische und damit auch wandelbare Größe verstanden, die in unterschiedlichen soziologischen Theorien jedoch eine ganz unterschiedliche Rolle spielt.
  2. Vor diesem Hintergrund wird in der Lehre systematisch eine soziologische Sichtweise auf die Gegenstände Industrie, Betrieb, Beruf, Profession und Arbeitsgesellschaft herausgearbeitet und vermittelt. Dabei geht es jedoch nicht nur um die Rezeption und den Vergleich unterschiedlicher theoretischer Ansätze. Vielmehr wird die empirische Analyse vorgefundener Realitäten beispielsweise in Betrieb, Industrie und an Arbeitsplätzen systematisch in die Lehre eingebaut und mit theoretischen Perspektiven verknüpft.

Das Vertiefungsgebiet Soziologie der Arbeit unterteilt sich in drei Themenfelder

• Betriebs- und Industriesoziologie

• Berufs- und Professionssoziologie

• Soziologie der Arbeitsgesellschaft

Betriebs- und Industriesoziologie

Die Betriebs- und Industriesoziologie fragt nach der konkreten Organisation von Arbeit im Unternehmen. Mit der Industrialisierung und dem damit einhergehenden technischen Wan-del kristallisieren sich typische Arbeitsformen des Taylorismus/Fordismus heraus, die im Zu-ge der verschärften ökonomischen Globalisierung auch ihrerseits wieder einen Umbruch erleben. Die historische Überwindung des „scientific management“ steht mit den jüngsten Entwicklungen flexibilisierter und dezentralisierter Produktionssysteme zur Debatte.

Diese Debatte beinhaltet – neben der Frage nach der formalen Arbeitsteilung – auch die Perspektive auf den Betrieb als soziales System. Aspekte von Macht, Herrschaft, Hierarchie und Mikropolitik sind grundsätzliche Interaktionsphänomene im Betrieb. Auch deren struk-turelle Verankerungen und Wirkungsweisen geraten mit veränderten Produktionsbedingun-gen unter Wandlungsdruck.

Berufs- und Professionssoziologie

Die Berufs- und Professionssoziologie beschäftigt sich mit der berufsförmigen Organisation von Arbeit, der „Schneidung“ von Berufsprofilen, der mit Berufen verbundenen Ausbildung und Qualifizierung sowie der gesellschaftlichen Entwicklung und Anerkennung von Berufen und Professionen. Dabei kommen gleichermaßen Prozesse der Verberuflichung und Profes-sionalisierung in den Blick, wie auch Prozesse der Deprofessionalisierung und Entberufli-chung. Nicht zuletzt die These vom „Arbeitskraftunternehmer“, die in der soziologischen Diskussion zunehmend an Bedeutung gewinnt, behauptet, dass Beschäftigte sich immer we-niger auf etablierte Berufsbilder beziehen (können) und zunehmend gezwungen sind, ihre Arbeitskraft immer wieder neu zu definieren, zu bearbeiten und zu vermarkten. Dies scheint selbst für ausdifferenzierte Professionen zu gelten.

Damit wird auch die in diesem Teilbereich der Arbeitssoziologie zu diskutierende Frage zent-ral, welche analytische Bedeutung der Berufsbegriff für eine Berufs- und Professionssoziolo-gie, die ihre Grundbegriffe vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Entwicklungen stets hin-terfragen und neu denken muss, überhaupt noch hat bzw. haben kann.

Soziologie der Arbeitsgesellschaft

Die Diskussion über die Rolle der Kategorie der Arbeit in der Soziologie lässt sich anhand der Auseinandersetzung über Gesellschaftsbegriffe rekonstruieren. Nachdem lange Zeit Teile der Soziologie die Gesellschaft als „Arbeitsgesellschaft“ oder „Erwerbsgesellschaft“ definiert haben, tauchen zunehmende Zweifel auf, ob diese Konzepte sich heute noch als Zeitdiagnose eignen. So wird beispielsweise vom „Ende der Arbeitsgesellschaft“ geschrieben, womit die Frage verknüpft ist, inwieweit über die Kategorie der Arbeit noch eine Bestimmung von Ge-sellschaft stattfinden kann.

Die Gewissheiten und Ideale der Industriegesellschaft (so z.B. Normalarbeitsverhältnisse und Vollbeschäftigung) beginnen sich im Zuge reflexiver Modernisierungsprozesse ebenso aufzu-lösen wie gesamtgesellschaftlich gültige Normen und Institutionen (so z.B. die Vorstellung des Mannes als Alleinverdiener und Ernährer oder lebenslange Betriebszugehörigkeit). Mit dem – möglichen – Ende der Vergesellschaftungsform in der Industriegesellschaft wird die Rolle von Arbeit als Motor der Vergesellschaftung fragwürdig. Die Transformation der Ar-beitsgesellschaft wird zu einer neuen Herausforderung der Soziologie der Arbeit.

 

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