Politische Soziologie sozialer Ungleichheit
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Migration und soziales Gedächtnis

15196 - Übung

Anja Kinzler, M.A.

Di. 16-18 Uhr c.t., Konradstr. 6, 308
Beginn: 18.10.2016   Ende: 07.02.2017

Die gegenwärtige Konfrontation europäischer Gesellschaften mit der sogenannten ‚Flüchtlingskrise‘ befeuert einmal mehr politische wie mediale Auseinandersetzungen hinsichtlich der Unterscheidung des Eigenen und Fremden, der Gleichheit und Verschiedenheit sowie einer möglichen regionalen wie kulturellen Öffnung und Schließung. Rasch sind in diesen Argumentationslinien Begriffe der Kultur, der Nation oder der Identität zur Hand um (vermeintlich) natürliche kollektive Unterschiede ‚dingfest‘ zu machen.
Begreift man Ereignisse des Ankommens, der Aufnahme oder der Abweisung demgegenüber als spezifische Momente der Aktivierung von Gedächtnisstrukturen, so ergibt sich ein alternativer Blick auf derartige Diskussionen. Individuelle, kulturelle oder nationale Identitäten speisen sich aus diesem Blickwinkel keineswegs ‚naturgemäß‘, sondern ergeben sich vielmehr aus jeweils spezifischen Vergangenheitsdeutungen, die sich gegenwärtig unter dem Eindruck des Neuen oder Abgleich des bereits Bekannten konstituieren. Die Rede von sozialen Gedächtnissen dient hier also als eine Klammer, innerhalb derer konfligierende und zuweilen höchst widersprüchliche Vergangenheitsversionen verhandelt werden.
Dafür wird auf klassische soziologische Interpretationsvorlagen wie der Unterscheidung vom Gast und dem Fremden (Simmel), den Etablierten und Außenseitern (Elias) und der Irritation erlebnisbasierter Orientierungsmuster in Momenten des Fremdseins (Schütz) Rückgriff gehalten. Flankiert werden die gewonnen Erkenntnisse durch eine einführende Lektüre in die Gedächtnissoziologie, um gängige mediale, politische und historische Argumentationsmuster zu kontrastieren.

Literatur

  • Dimbath, Oliver & Heinlein, Michael (2015): Gedächtnissoziologie. Paderborn: Wilhelm Fink
  • Elias, Norbert & Scotson, John L. (2002): Etablierte und Außenseiter. In: Blomert et al. (Hrsg.): Norbert Elias. Gesammelte Schriften. Frankfurt/Main: Suhrkamp, S. 7-56
  • Schütz, Alfred (1972): Der Fremde. Ein sozialpsychologischer Versuch. In: Ders. (Hrsg.): Gesammelte Aufsätze Bd. 2. Studien zur soziologischen Theorie. Den Haag: Nijhoff, S. 53-69
  • Simmel, Georg (2008): Exkurs über den Fremden. In: Rammstedt, Otthein (Hrsg.): Georg Simmel. Individualismus der modernen Zeit und andere soziologische Abhandlungen. Frankfurt/Main: Suhrkamp, S. 267-272

Bemerkung

Anwesenheitspflicht in der 1. Veranstaltungsstunde! Sollten Sie aus triftigen Gründen nicht teilnehmen können, so informieren Sie den/die Dozenten/Dozentin rechtzeitig. Unentschuldigtes Fehlen in der 1. Veranstaltungsstunde bedeutet automatisch den Verlust des Kursplatzes.

Voraussetzungen

  • regelmäßige und aktive Teilnahme
  • kontinuierliche Lektüre der Literatur

Leistungsnachweis

  • Referat
  • Hausarbeit/Übungsaufgaben