Politische Soziologie sozialer Ungleichheit
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Kapital und Arbeit als Grundkategorien moderner Gesellschaften

15262 - Übung

Alexandra Schauer, M.A.

Blockveranstaltung, Konradstr. 6, 209
Do. 20.10.2016, 12-14 Uhr c.t.
Do. 03.11.2016, 12-14 Uhr c.t.
Do. 17.11.2016, 12-14 Uhr c.t.
Sa. 17.12.2016, 10-18 Uhr c.t.
Sa. 21.01.2017, 10-18 Uhr c.t.

Kapital und Arbeit sind Grundkategorien moderner Gesellschaften. Seit der Durchsetzung des modernen Industriekapitalismus kommt ihnen nicht nur eine fundamentale Bedeutung für die gesellschaftliche Reproduktion zu, sondern sie zudem zum universalen Maßstab sozialer Wertschätzung geworden. Das war keinesfalls immer so. In der Antike galt Arbeit als eine notwendige, aber verachtenswerte Tätigkeit, die von Sklaven oder Fremden zu verrichten war; der Gelderwerb um seiner selbst willen wurde von Denkern wie Aristoteles als ebenso unnatürlich wie unvernünftig beschrieben. Die Aufwertung der Arbeit, die von einer Not zur Tugend wurde, begann mit dem Christentum. Sie erreichte ihre volle Durchschlagskraft im Protestantismus, der den Beruf zur göttlichen Berufung erklärte. Max Weber hat die protestantische Ethik in diesem Sinne als eine entscheidende ideengeschichtliche Wurzel des kapitalistischen Arbeitsethos beschrieben: Der Gläubige hoffte sich durch die Anhäufung von Kapital seines Seelenheils zu vergewissern, indem er den irdischen Erfolg als Indiz für die ewige Erwähltheit deutete. In den frühen wissenschaftlichen Beschreibungen der modernen kapitalistischen Arbeitsgesellschaft – wie in John Lockes Rechtfertigung des Privateigentums – wurde die Entstehung des Eigentums aus der Arbeit erklärt. Erst im Zuge der Ausbreitung des modernen Industriekapitalismus und der Entstehung des Industrieproletariats begann der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit immer deutlicher ins gesellschaftliche Bewusstsein zu treten. In diesem Sinne hat Karl Marx die Geschichte der ursprünglichen Akkumulation nicht nur als Kritik an der liberalistischen Erklärung von Privateigentum durch Leistung beschrieben, sondern die Trennung von Kapital und Arbeit als unhintergehbare Voraussetzung des modernen Kapitalverhältnisses beschrieben. Mit der Entstehung des Wohlfahrtsstaates im 20. Jahrhundert schien es vorübergehend so, als sei eine Befriedung des konfliktreichen Verhältnisses möglich und einige Soziologen sahen gar ein Ende der Arbeitsgesellschaft bevorstehen. In den letzten Jahrzehnten ist hingegen im Zuge der postfordistischen Restrukturierung der Gesellschaft nicht nur die fundamentale Bedeutung von Arbeit, sondern auch der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit ins gesellschaftliche Bewusstsein zurückgekehrt.
In der Übung wollen wir uns der Bedeutung von Kapital und Arbeit als Grundkategorien moderner Gesellschaften und ihrer historischen Entwicklung aus zwei Perspektiven nähern: Zum einen werden wir anhand klassischer Texte zur politischen Ökonomie rekonstruieren, wie deren Verhältnis von verschiedenen Denkern und zu unterschiedlichen Zeiten konzipiert wurde. Zum anderen werden wir den Wandel der Arbeitsgesellschaft anhand soziologischer Texte rekonstruieren. Dabei werden wir einen Bogen schlagen von John Locke über Karl Marx und Max Weber bis zu Claus Offe, Robert Castel und Thomas Piketty.

Literatur

  • Karl Marx, Das Kapital Bd. 1, MEW 23, Berlin 1962.
  • Robert Castel, Die Metamorphosen der sozialen Frage. Eine Chronik der Lohnarbeit, Konstanz 2000.
  • Thomas Piketty, Das Kapital im 21. Jahrhundert, Beck 2016.

Bemerkung

Anwesenheitspflicht in der 1. Veranstaltungsstunde! Sollten Sie aus triftigen Gründen nicht teilnehmen können, so informieren Sie den/die Dozenten/Dozentin rechtzeitig. Unentschuldigtes Fehlen in der 1. Veranstaltungsstunde bedeutet automatisch den Verlust des Kursplatzes.

Voraussetzungen

  • regelmäßige und aktive Teilnahme
  • kontinuierliche Lektüre der Literatur

Leistungsnachweis

  • Referat
  • Übungsaufgaben/Hausarbeit