Politische Soziologie sozialer Ungleichheit
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Prekarisierungsgesellschaft: Unsichere Lebensverhältnisse, ihre Ursprünge und Verarbeitungsformen in der Gegenwartsgesellschaft.

15207 - Übung

Dr. Tomas Marttila

Mi. 10-12 Uhr c.t., Konradstr. 6, Raum 109
Beginn: 13.04.2016   Ende: 13.07.2016

Obwohl die gesellschaftliche Verbreitung und Normalisierung prekärer Lebensverhältnisse seit zehn Jahren zu den zentralen Themen der Soziologie gehören, ist die Frage nach den Formen, Prozessen und Konsequenzen der Prekarisierung aktueller als je zuvor. Das Ziel des Seminars ist, den Studierenden ein allgemeines Verständnis über den aktuellen Stand der soziologischen Forschung über die Prekarisierungsgesellschaft zu vermitteln und einen Blick in die gesellschaftlichen Erscheinungs- und Verarbeitungsformen von Prekarität zu ermöglichen.

Die Übung ist inhaltlich in vier thematische Blöcke aufgeteilt. Im ersten Block werden anhand von klassischen (u.a. Karl Marx; Karl Polanyi) und aktuellen wissenschaftlichen Beiträgen (u.a. Pierre Bourdieu; Klaus Dörre; Stephan Lessenich) die gesellschaftliche Verortung und die sozioökonomischen und politischen Ursachen prekärer Lebensverhältnisse konzeptualisiert. Im zweiten Block wird der Zusammenhang zwischen der Entstehung der post-fordistischen Wirtschaftsproduktion, der Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen und der so genannten „Responsibilisierung“ des Arbeitsnehmers zum Arbeitskraftunternehmer eruiert. Im dritten Block gilt die Aufmerksamkeit den Mechanismen der Reproduktion sozioökonomischer Prekarität in der gegenwärtigen Netzwerkgesellschaft. Es werden u.a. im Anschluss an Manuel Castells klassisches Werk The Rise of the Network Society (1996), und in Bezug auf die neuere Forschung über soziale Immobilität (u.a. Katharina Manderscheid) neue Quellen, Formen und Mechanismen von sozialer Ausgrenzung dargestellt. Im vierten Block wird der Fokus auf einige zentrale Verarbeitungsformen der Prekarisierung in der Gegenwartsgesellschaft gelenkt. Es wird u.a. diskutiert, inwiefern der die Gesellschaft zunehmend prägende kognitive Prekarisierung mittels traditioneller Formen von Interessenrepräsentation begegnet werden kann, inwieweit die „totale Gesundmachung“ (Regina Brunnett) des Individuums objektive und subjektive Prekarität verhindern kann, und welche Strategien und Zielsetzungen transnationale Anti-Prekarisierungsbewegungen (wie Euromayday) im Gegensatz zur traditionellen Formen von Sozialkritik verfolgen.

Bemerkung

Anwesenheitspflicht in der 1. Veranstaltungsstunde! Sollten Sie aus triftigen Gründen nicht teilnehmen können, so informieren Sie den/die Dozenten/Dozentin rechtzeitig. Unentschuldigtes Fehlen in der 1. Veranstaltungsstunde bedeutet automatisch den Verlust des Kursplatzes.

Voraussetzungen

  • regelmäßige und aktive Teilnahme
  • kontinuierliche Lektüre der Literatur

Leistungsnachweis

  • Referat: Maximal 15 min per Person
  • Essays: 4 Essays à 2-3 Seiten per Person